Welche Microsoft-Zertifizierung passt zu mir? Der Wegweiser 2026

Microsoft hat sein Zertifizierungsportfolio 2026 erheblich umgebaut. Mehrere bekannte Prüfungen wurden zurückgezogen, neue Rollen sind dazugekommen, und rund um Copilot und KI-Agenten ist eine ganze Familie entstanden. Wer sich gerade orientiert, findet im Netz vor allem veraltete Übersichten. Dieser Beitrag bringt den Stand auf August 2026.

Zuerst: Was am 30. Juni 2026 zurückgezogen wurde

Drei viel genutzte Prüfungen sind seit Ende Juni 2026 nicht mehr buchbar:

  • AI-900 (Azure AI Fundamentals) — Nachfolger ist AI-901
  • AI-102 (Azure AI Engineer Associate) — Nachfolger ist AI-103, jetzt Azure AI Apps and Agents Developer Associate
  • DP-100 (Azure Data Scientist Associate) — Nachfolger ist AI-300, Machine Learning Operations Engineer Associate

Wenn Sie also noch Lernmaterial für AI-900 oder AI-102 herumliegen haben: Es bereitet Sie auf eine Prüfung vor, die es nicht mehr gibt. Bereits erworbene Zertifikate bleiben davon unberührt und behalten ihren Wert.

Der Einstieg: die Fundamentals

Die Fundamentals-Prüfungen sind kurz, günstig und setzen nichts voraus. Sie sind der richtige Start, wenn Sie aus einer Fachabteilung kommen oder die Landschaft erst einordnen wollen.

  • AZ-900 — Azure Fundamentals. Der Klassiker für den Cloud-Einstieg.
  • AI-901 — Azure AI Fundamentals. Neu, ersetzt AI-900.
  • AB-900 — Microsoft 365 Copilot and Agent Administration Fundamentals. Ebenfalls neu, 45 Minuten, derzeit nur auf Englisch prüfbar.
  • MS-900 — Microsoft 365 Fundamentals.
  • SC-900 — Security, Compliance and Identity Fundamentals.

Ein häufiger Irrtum: Fundamentals sind kein Pflichtdurchgang. Wenn Sie seit Jahren Azure administrieren, springen Sie direkt auf AZ-104.

Die Associate-Ebene: hier wird es beruflich relevant

Die Associate-Zertifizierungen bilden konkrete Rollen ab. Die für den Schweizer Markt wichtigsten:

  • AZ-104 — Azure Administrator Associate. Die meistgefragte Azure-Zertifizierung überhaupt.
  • AZ-204 — Azure Developer Associate.
  • AZ-500 — Azure Security Engineer Associate.
  • AI-103 — Azure AI Apps and Agents Developer Associate. Auch auf Deutsch prüfbar.
  • AI-300 — Machine Learning Operations Engineer Associate, Nachfolger von DP-100.
  • AB-620 — AI Agent Builder Associate, mit Schwerpunkt Copilot Studio. Ebenfalls auf Deutsch verfügbar.
  • SC-200, SC-300, SC-400 — Security Operations, Identity and Access, Information Protection.

Neu in der Pipeline ist AB-650 (AI Services Administrator Associate). Die Prüfung lief 2026 zunächst als Beta, die allgemeine Verfügbarkeit ist für Oktober 2026 angekündigt. Beta-Prüfungen sind günstiger, das Ergebnis kommt aber erst mit Verzögerung — für alle, die den Titel zu einem festen Termin brauchen, ist das nichts.

Die Expert-Ebene

AZ-305 führt zum Azure Solutions Architect Expert und setzt AZ-104 voraus. AZ-400 führt zum DevOps Engineer Expert und setzt AZ-104 oder AZ-204 voraus.

Neu ist AB-100, Agentic AI Business Solutions Architect — ebenfalls Expert-Level, mit einer Associate-Zertifizierung als Voraussetzung, derzeit nur auf Englisch.

Welcher Weg passt zu welchem Profil

Sie administrieren heute Windows Server und wollen in die Cloud: AZ-900, dann AZ-104. Das ist der meistbegangene und verlässlichste Weg.

Sie betreuen Microsoft 365 im Unternehmen: MS-900, dann die Administrationsschiene, und wenn Copilot ansteht, AB-900. Behalten Sie AB-650 im Auge, sobald sie allgemein verfügbar ist.

Sie sind Entwicklerin und wollen KI-Funktionen einbauen: AI-901 zur Einordnung, dann AI-103. Wenn Sie Modelle betreiben statt nur nutzen, AI-300.

Sie sollen im Unternehmen Copilot-Agenten bauen: AB-620 mit Copilot Studio. Das ist derzeit die praxisnächste Zertifizierung in diesem Feld.

Sie kommen aus der Sicherheit: SC-900, dann je nach Schwerpunkt SC-200 (Betrieb), SC-300 (Identitäten) oder AZ-500 (Azure-Infrastruktur).

Was eine Microsoft-Zertifizierung praktisch bedeutet

Drei Dinge, die vor der Anmeldung geklärt sein sollten:

Gültigkeit. Rollenbasierte Zertifizierungen laufen ein Jahr und werden über eine kostenlose Online-Verlängerung erneuert, die Sie sechs Monate vor Ablauf freischalten können. Fundamentals laufen nicht ab. Das ist deutlich weniger aufwendig als bei ISC2 oder ISACA — kostet aber jedes Jahr einen Termin im Kalender.

Prüfungssprache. Nicht alle Prüfungen gibt es auf Deutsch. AB-900 und AB-100 sind derzeit nur englisch, AI-103 und AB-620 dagegen auch deutsch. Wenn Englisch für Sie eine zusätzliche Hürde ist, prüfen Sie das vor der Buchung.

Der Kurs ersetzt die Prüfung nicht. Ein offizieller Kurs bereitet vor, aber die Prüfungen enthalten Fallstudien und interaktive Aufgaben, die Praxis verlangen. Rechnen Sie mit eigener Vorbereitungszeit zusätzlich zum Kurs.

Und wenn Sie gar keine Zertifizierung brauchen

Für Endanwenderinnen und Endanwender gibt es rund um Copilot bewusst keine Zertifizierung, sondern Kurse — etwa MS-4004 zu den Anwendungsfällen im Arbeitsalltag. Für viele Teams ist das der wirksamere Weg: Ein Tag, an dem alle dieselben Handgriffe lernen, verändert den Alltag mehr als ein Zertifikat bei einer einzelnen Person.

Unser Angebot

Wir führen die offiziellen Microsoft-Kurse zu den oben genannten Zertifizierungen durch, als Klassenraumtraining in Wangen-Brüttisellen oder als Online Live Training. Alle Angaben in diesem Beitrag stammen von Microsoft Learn, Stand August 2026; Prüfungsinhalte und Verfügbarkeiten ändern sich laufend.

Unsicher, wo Sie einsteigen sollen? Melden Sie sich — wir schauen uns Ihr Profil an und sagen Ihnen ehrlich, welche Prüfung sich lohnt und welche nicht.

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