Klassenraum, Online Live, Blended Learning, Individualcoaching oder Firmenseminar — die Wahl der Lernform entscheidet oft mehr über den Erfolg einer Weiterbildung als die Wahl des Kurses. Dieser Beitrag sagt, welche Form wann funktioniert und wann sie es nicht tut.
Klassenraumtraining
Funktioniert gut, wenn das Thema neu für Sie ist, wenn Sie mit den Händen arbeiten müssen, oder wenn Sie erfahrungsgemäss zu Hause zu leicht abgelenkt werden. Der stärkste Effekt ist selten der Unterricht selbst — es sind die Pausengespräche. Wer im Kurs neben jemandem sitzt, der dieselbe Aufgabe in einer anderen Firma anders löst, nimmt oft mehr mit als aus dem Skript.
Funktioniert schlecht, wenn Sie zwei Stunden Anreise haben und der Kurs eine Woche dauert. Der Ermüdungseffekt frisst dann einen guten Teil des Nutzens.
Online Live Training
Kein aufgezeichnetes Video, sondern derselbe Kurs mit derselben Dozentin, nur über eine Videokonferenz mit eigener Übungsumgebung.
Funktioniert gut bei Themen, die ohnehin am Bildschirm stattfinden — Administration, Programmierung, Cloud, Office. Für Teilnehmende aus der Westschweiz, dem Tessin oder den Bergkantonen ist es häufig die einzige realistische Form, an einem Kurs teilzunehmen, ohne eine Woche auswärts zu übernachten.
Funktioniert schlecht, wenn Sie am selben Arbeitsplatz sitzen wie sonst. Der Kurs konkurriert dann mit dem Posteingang, und der Posteingang gewinnt. Die wirksamste Massnahme ist banal: einen anderen Raum nehmen, den Kalender blockieren, das Mailprogramm schliessen.
Ein Kostenargument, das gerne übersehen wird: Der Kurspreis liegt beim Online Live Training etwas tiefer, aber der eigentliche Unterschied sind Reisezeit, Spesen und Übernachtungen.
Blended Learning
Selbststudium kombiniert mit betreuten Präsenz- oder Online-Einheiten.
Funktioniert gut bei Zertifizierungsvorbereitungen mit viel Stoff, den man ohnehin allein durcharbeiten muss, und bei Teilnehmenden, die sich nicht fünf Tage am Stück freinehmen können.
Funktioniert schlecht ohne Selbstdisziplin. Blended Learning verlagert einen Teil der Verantwortung zu Ihnen. Wer sich für den Selbstlernteil keine festen Zeiten im Kalender reserviert, erscheint zur Präsenzeinheit unvorbereitet — und holt das nicht mehr auf. Faustregel: Planen Sie den Selbstlernteil wie einen Termin, nicht wie eine Absicht.
Individualcoaching
Eine Dozentin, eine Teilnehmerin, der Inhalt vollständig auf Ihre Fragestellung zugeschnitten.
Funktioniert gut, wenn Sie ein konkretes Problem mitbringen — eine bestehende Excel-Datei, eine geplante Migration, eine Umgebung, die Sie übernommen haben und nicht verstehen. Ein Tag Coaching an der eigenen Aufgabe bringt hier regelmässig mehr als drei Tage Standardkurs.
Funktioniert schlecht bei breiten Grundlagenthemen. Für „Excel von Grund auf“ ist es schlicht die teuerste Variante ohne zusätzlichen Nutzen. Und es fehlt der Austausch mit anderen Teilnehmenden.
Firmenseminar
Der Kurs findet nur für Ihr Team statt, bei Ihnen vor Ort oder bei uns, mit Ihren Daten und Ihren Beispielen.
Funktioniert gut ab etwa fünf bis sechs Teilnehmenden. Dann ist es rechnerisch günstiger als Einzelanmeldungen, und der Nutzen ist höher, weil alle anschliessend dieselbe Arbeitsweise verwenden. Bei Einführungsprojekten — neue Software, neue Prozesse, Umstellung auf Microsoft 365 — ist es fast immer die richtige Wahl.
Funktioniert schlecht, wenn die Vorkenntnisse im Team stark auseinandergehen. Dann langweilen sich die einen und die anderen kommen nicht mit. Lösung: vorher eine kurze Standortbestimmung, dann zwei Gruppen.
Eine ehrliche Entscheidungshilfe
- Neues Thema, keine Vorkenntnisse: Klassenraum oder Online Live, in der Gruppe.
- Konkretes Problem, das Sie schon haben: Individualcoaching.
- Ganzes Team soll gleich arbeiten: Firmenseminar.
- Zertifizierung mit viel Stoff, wenig Zeit am Stück: Blended Learning — aber nur mit reservierten Lernzeiten.
- Weite Anreise, bildschirmnahes Thema: Online Live.
Was in jeder Form gleich wichtig ist
Drei Dinge entscheiden unabhängig von der Lernform darüber, ob eine Weiterbildung etwas bringt:
Der Zeitpunkt. Ein Kurs kurz vor dem Projekt wirkt. Ein Kurs ein Jahr vorher ist verpufft, bevor er gebraucht wird.
Die Anwendung danach. Wer das Gelernte nicht innerhalb von zwei bis drei Wochen einsetzt, verliert den grössten Teil davon. Nehmen Sie sich für die Woche nach dem Kurs eine konkrete Aufgabe vor.
Die Erwartung im Team. Wenn Ihre Vorgesetzte nach dem Kurs fragt, was Sie jetzt anders machen, ändert sich etwas. Wenn niemand fragt, meistens nicht.
Unsere Kurse
Die meisten unserer Kurse sind in mehreren Lernformen buchbar — Sie sehen die Auswahl direkt beim Kurs. Wenn Sie unsicher sind, was für Ihre Situation passt: Rufen Sie uns an, das lässt sich in wenigen Minuten klären.